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Aus einem Interview mit Uwe Dick

»Herr Dick, warum erfährt man so wenig von Ihnen im deutschen Feuilleton?«

UD: Weil die Eminenzen dort zwar (manchmal) ein flottes Journalistisch synkopern, aber nicht lesen können. – Gezeichnete der Angestelltenkultur, bevorzugt germanistische Bildungseunuchen, beweisen die Kafka’schen Türhüter (Legitimieren Sie sich! Empfehlungen? Verlag?), daß Jean Paul aktuell ist: »Nur der Freie liebt Freie.« Oder: »Je abhängiger der Kopf, desto abhängiger von der Zeitung.« Kurz, so einen poetischen Freibeuter wie UD müssen die Aufpasser vom bürgerlichen Ordnungsamt hassen, zumal dann, wenn ihr Ignorabimus den Zulauf von Hörern (späteren Lesern) nicht verhindern konnte. – Einige dieser Übermanschgerl (sie schreiben nie »etwas«, immer nur »über«, die Unterlinge des Zeitgeistes) fuchst das Dick’sche »Glatt widerlebt« so heftig, daß sie ihre gestörte Befindlichkeit sogar mit Zitatfälschungen und übler Nachrede vermanschen neuerthings.

Aber recht geschieht ihm, diesem Frechling, der, ohne um Erlaubnis zu bitten, über Zeiten und Weiten und über schnarchende oder schwatzende Pförtner hinweg mit Rustaweli, Wolkenstein, Beer, Mauthner, Samjatin, Zwetajewa und Tiziade spricht, unbekümmert, ob nun seine Dialogpartner – Pound, Mandelstam, Stelzhamer, Vacietis, Jeffers, Sewak (…) gerade in sind oder nicht. Und »über«haupt, he!, seine Radikalität (oft rabiater als Günther Anders – und lange bevor es die Grünen gab), seine Lebensweise, seine widerliche Lust, die Tarnungen des Faschismus (in Wirtschaft, Regierungen, Jargon, Handlungsweisen von Biedermännern und -frauen) aufzudecken, naja, und nicht vergessen, seine (für Anämiker) schockierende Freiheit, sowohl volksnah als auch artifiziell innovativ zu schreiben, Karl Valentin und Paul Valery, Canetti und Heinz Erhardt, Ernst Mach und Giacometti zusammenzudenken, Horaz und – wer isser denn, hää!? – sich selbst: »Ein kleines Feld « DIN A4 – und Stolz genug, des Pöbels Schmäh zu spotten.« Und nicht ein Satz zu Deutschlands neuer Größe, pfff! Stattdessen die Zumutung, mehrere Partituren vernetzt und als work in progress zu beobachten, pfff! Prismatische Worte?, Lautspannung, Vielstimmigkeit, integrale (Klang- und Bild-)Motive, Allusionen, »höchstmögliche Aufladung an Sinn«? Pfff! »Sprache statt Schreibe«, pfff! Gibts doch nich’, darf doch nicht wahr sein! Müßte man ja lesen (… können, wollen) pfff! Hör: Pfffuilleton.

Aus SANDERs LeseMagazin Nr. 1

Stimmen zu Uwe Dick

Uwe Dick schuf das Bio-Drama eines Amok denkenden Monsters, Der ÖD (1975), den grandiosesten Text der neuen bairischen Literatur. (Günther Lutz) Das fulminante Wirtshaus-Solo, wechselfiebrige Anfälle von Weisheit, Torheit und Faschismus, ist so treffend, daß es der Bayerische Rundfunk trotz Kritiker-Superlative (auch aus eigenem Hause) bis heute nicht zu senden wagt. – »Liberalitas Bapfarriae« UD Ähnlich unannehmbar: Der Jäger vom Knall (1986), Hundsoktaven zu einer Sexualpathologie zwergdeutscher Flintenmänner. Gelobt, mit Preisen bedacht, aber nie gesendet. Warum? – »Zu viele von der Sippe Honecker, Ceaucescu (…) im Aufsichtsrat.« UD »… neben den zahlreichen Wortneuschöpfungen, die Uwe Dick als wahren Meister der Sprache ausweisen, tragen auch die Jagdlied-Zitate zur Wirkung des Stücks bei, vom schauspielerisch glänzenden Vortrag des Künstlers gesteigert …« Westfälische Rundschau Dichte und Vielgestaltigkeit kennzeichnen sein Sprachwerk, das der moralischen Phantasie eines Günther Anders und der Bildkraft eines Robinson Jeffers näher steht als der (wieder mal:) Neuen Innerlichkeit. – »Genauer: Neue Weinerlichkeit. Wohlstandsgejapse mit theologischem Oberton.« UD »Ismen und Schismen verhöhnt er. Seine Neinsagekraft ist umwerfende Denklust, Verlockung der Phantasie. Auch zum Widerstand gegen eine totalitäre, faschistoide Wirtschaft. Nicht erst in Wackersdorf artikulierte sich manches Nein mit Sätzen von Uwe Dick. Schon vor mehr als zwanzig Jahren, als es noch keine Grünen gab, drängte seine Stimme auf kollektiven Einspruch, … gegen die Diktatur der Deppokraten.« Südwestfunk »… hier ein Buchstabe mehr, da ein Buchstabe weniger – kleine Änderung, große Wirkung. Wieder eine Lesung der Extraklasse.« Westfalenpost »Ein Radikaler im öffentlichen Dienst«, behauptet sich UD, »der wahrscheinlich einzige echte Nachfahre von Arno Schmidt«, ORF, lustvoll und mit ansteckendem Vokabelargwohn »… gegen eine medial verseuchte, korrupte und genormte Gesellschaft. Die oft verschleierten, aber allgegenwärtigen Faschismen im Denken und in der Sprache aufzeigend, verschont UD das Publikum nicht, das sich im Einverständnis mit ihm wähnt.« Neues Handbuch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945